Warum Kinder uns gerade jetzt als Fels in der Brandung brauchen – Ein Brief für meine Tochter

Liebe Nele,

wenn du diesen Brief von mir bekommst, dann werde ich dir wahrscheinlich schon öfter von „diesen schwierigen Zeiten“ damals erzählt haben. Jetzt gerade IN dieser Zeit verstehst du das alles noch nicht richtig, aber irgendwann wirst du es verstehen und ich möchte jetzt meine Gedanken für dich festhalten.

Wir sind jetzt seit 5 Wochen zuhause und du hast unser Grundstück nur verlassen, um spazieren zu gehen. Der Kindergarten ist zu und macht so schnell auch nicht wieder auf. “Wir vermissen euch” haben die Erzieherinnen an die Fenster geschrieben. Auch wir haben einen Regenbogen ins Fenster gehängt und “Alles wird gut” darunter geschrieben.

Von deinen Freundinnen hast du so unglaublich tolle Post bekommen.

Die Sendung mit der Maus ist momentan täglich im Programm und erklärt dir was dieses Virus eigentlich ist und was sich gerade in der Welt verändert.

Deine größte Sorge ist daher deine Geburtstagsparty im Juli. Denn die Maus sagt, dass nicht so viele Menschen zusammenkommen sollen. Du hast Angst, dass die anderen Kinder nicht mit dir feiern können. Natürlich sagen wir dir, dass du dir keine Sorgen machen musst. Aber es ist wirklich verdammt schwer, dass mit einer solchen Zuversicht zu sagen, wenn man sich selbst schon gar nicht mehr so sicher ist ob das auch wirklich stimmt.

Papa steht jetzt immer jeden Tag um 5 Uhr auf, damit er schon den Großteil seiner Arbeitszeit geschafft hat, wenn du aufstehst. Uns ist wichtig, dass ihr immer Mama ODER Papa habt, die ganz für euch da sind. Aber einmal in der Woche geht es nicht anders. Da haben Mama UND Papa gleichzeitig feste Meetings. Ihr freut euch darauf, denn das heißt für euch, dass ihr eine ganze Stunde Fernsehen schauen dürft. Ihr freut euch immer darauf. Uns hingegen zerreißt es an manchen Tagen das Herz, euch einfach vor dem Fernseher zu parken, weil es nicht anders geht.

wir haben keine angst.

Uns geht es gut. Wir haben genug zu essen. Wir haben ein schönes Haus, können raus in den Garten.  Wir wissen, dass wir gut versorgt werden, wenn wir schlimm erkranken sollten. Wir wissen, dass es uns besser geht als vielen, vielen anderen Familien.

Dankbar für die Umgebung in der wir wohnen

Für uns ist es keine Angst. Es ist die Ungewissheit, die quält. Alles ist anders als zuvor. Wir halten Abstand zu Oma und Opa. Wir wissen nicht wie lange das noch so bleiben soll. Du hast gerade dein Seepferdchen fertig und jetzt wissen wir nicht einmal mehr ob du noch schwimmen kannst, wenn dieser ganze sch**** vorbei ist. Es tut so weh zu wissen, dass deine Übernachtung im Kindergarten, auf die du dich seit langer Zeit freust nicht stattfinden wird. Am 13.08 sollst du eingeschult werden: Wie wird das aussehen?

Es ist schwer zu akzeptieren, dass einige deiner Kindheitserinnerungen anders aussehen werden wie ich sie dir gewünscht hätte.

Und während ich in Gedanken bin, kommt auch schon wieder die Frage nach deinem Geburtstag… Und für einen kurzen Moment weiß ich nicht was ich sagen soll. Dann denke ich daran, dass du mir noch nie so oft gesagt hast, dass du mich liebst wie in den letzten 5 Wochen. Ich nehme dich in den Arm und flüstere dir ins Ohr „Das wird eine schöne Geburtstagsfeier, meine kleine Maus“. Wahrscheinlich hilft mir meine Dankbarkeit und mein Vertrauen ins Leben gerade dabei dein Fels in der Brandung zu sein.

Ich hoffe, dass du dich später daran erinnern wirst, dass es eine komische Zeit war in der alles anders war, aber dass du dich trotzdem sicher und behütet gefühlt hast. Jetzt gerade spielst du draußen. Du spielst unbeschwert. Frei. Irgendwie freier als sonst. Und das stimmt mich positiv, dass wir als Familie gestärkt aus dieser Zeit gehen werden.

Deine Mama

Allen Mamas und Papas da draußen wünsche ich weiterhin viel Kraft ❤️

Ich weiß, dass die Akkus bei vielen bald leer sind. Darum hoffe ich, dass auch die Politik diesen Eltern hilft.

1 Gedanken zu “Warum Kinder uns gerade jetzt als Fels in der Brandung brauchen – Ein Brief für meine Tochter

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